Marroni: Wie die Kastanie zum „Brot der Armen“ wurde

Marroni: Wie die Kastanie zum „Brot der Armen“ wurde

Marroni sind besonders große, süße Edelkastanien, die in Italien lange als „Brot der Armen“ galten. In den Bergregionen des Apennins und der Alpen wuchs auf kargen Böden oft kaum Getreide, die Kastanie dagegen schon. Aus ihren Früchten wurden Mehl, Brei und Gebäck, und so ernährte der Baum ganze Dörfer durch den Winter.

Warum Kastanien in Italien einmal lebenswichtig waren

Die Edelkastanie wächst dort, wo Weizen und Roggen sich schwertun: an steilen, steinigen Hängen und in engen Alpentälern. Schon die Römer verbreiteten den Baum, im Mittelalter wurden Kastanienwälder in vielen Bergdörfern zur wichtigsten Nahrungsquelle. Man nannte ihn deshalb „albero del pane“, Brotbaum. Wer wenig Land und kein Getreide hatte, überstand den Winter mit dem, was im Herbst von den Ästen fiel.

Vom Baum auf den Tisch: Mehl, Polenta und Castagnaccio

Frische Kastanien halten nicht lange. Deshalb trocknete man sie wochenlang über schwelendem Feuer, in der Toskana in kleinen Steinhäusern, den Metati. Danach wurden sie zu Mehl gemahlen, das sich über Monate lagern ließ. Daraus entstanden einfache Gerichte, die bis heute Kultstatus haben: Polenta aus Kastanienmehl, dünne Fladen wie die Necci aus der Garfagnana und der Castagnaccio, ein rustikaler Kuchen mit Pinienkernen, Rosinen und Rosmarin. Das Mehl ist von Natur aus glutenfrei und schmeckt leicht süßlich, fast karamellig. Kastanienmehl taucht bis heute in Brot, Süßspeisen und regionaler Pasta auf. Wer Italiens Küche entdecken will, startet am besten bei einer guten italienischen Pasta und arbeitet sich von dort zu den Spezialitäten der Regionen vor.

Was ist der Unterschied zwischen Marroni und Kastanien?

Marroni sind eine Auslese der Edelkastanie: größer, süßer und meist mit nur einer einzelnen herzförmigen Frucht pro Stachelhülle. Dadurch sind sie gleichmäßiger geformt und lassen sich leichter schälen. Normale Esskastanien sitzen oft zu zweit oder zu dritt in einer Hülle, sind kleiner und flacher, und die dünne Haut haftet fester am Kern. Manche Marroni tragen sogar eine geschützte Herkunftsbezeichnung, etwa der Marrone del Mugello IGP aus der Toskana oder der Marrone di Castel del Rio IGP aus der Emilia-Romagna.

So gelingen Caldarroste zu Hause

Caldarroste, die gerösteten Marroni, sind in Italien ein Herbstklassiker. Schneide jede Marrone auf der gewölbten Seite kreuzweise ein, sonst platzt sie im Ofen. Backe sie bei etwa 200 Grad für rund 20 bis 25 Minuten, bis die Schale aufspringt. Wickle die heißen Marroni danach kurz in ein Küchentuch, so lassen sie sich viel leichter schälen. Alternativ gelingen sie in einer Pfanne mit Deckel bei mittlerer Hitze, wenn du sie regelmäßig wendest.

Ein altes Arme-Leute-Essen mit neuem Ruf

Heute stehen Marroni auf Märkten und in Feinkostläden für Genuss, nicht für Not. Geröstet, als Creme oder im Kuchen bringen sie Herbststimmung auf den Tisch. Dazu passt süßes italienisches Gebäck, das den nussigen Geschmack schön abrundet. Wer das nächste Mal eine Marrone schält, hält ein Stück Alltagsgeschichte in der Hand: Sie hat Dörfer satt gemacht, lange bevor sie zur Delikatesse wurde.

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